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Merch by Amazon: Was Einsteiger wissen müssen

Merch by Amazon startet kostenlos, aber mit Bewerbung, 10 Design-Slots und neuer Royalty-Logik. Dazu kommen Steuerfragen ab dem ersten Verkauf.

Von Redaktion 7 Min. Lesedauer Überarbeitet am 15. Oktober 2026

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Nahaufnahme einer Druckmaschine mit Walzen, Kurbeln und Hebeln.
Foto: paine_z / Pixabay, Pixabay-Inhaltslizenz

Merch by Amazon, offiziell Amazon Merch on Demand, kostet im Einstieg nichts, ist aber bewerbungspflichtig und beginnt mit 10 Design-Slots. Laut Branchenberichten zahlt das Programm seit Juni 2026 im US-Marktplatz im Creator-Tier 2,44 $ Royalty je 19,99-$-Shirt, und steuerlich ist ab dem ersten Verkauf zu prüfen, ob eine unternehmerische Tätigkeit vorliegt.

Für Mittelständler ist das Programm aus zwei Gründen interessant: als Nebenprojekt von Gründern im Betrieb und als Möglichkeit, eine Marke auf Textilien auszuweiten, ohne Lager oder Druckerei zu betreiben. Die Wirtschaftlichkeit hängt dabei stärker von Stufenlimit, Royalty-Modell und Steuerfragen ab, als viele Ratgeberseiten nahelegen.

Hinweis: Die Angaben zu Tier-Stufen, Wartezeiten und der Royalty-Staffel beruhen auf Branchenberichten, von Amazon selbst gibt es dazu keine abrufbare Übersicht. Steuerliche Einordnungen ersetzen keine Beratung durch Finanzamt oder Steuerberater.

Was Merch on Demand ist und wie es abläuft

Merch on Demand ist ein Print-on-Demand-Programm. Laut Programmseite von Amazon druckt Amazon die Produkte erst nach der Bestellung, versendet sie und übernimmt den Kundenservice. Der Teilnehmer lädt Designs hoch, legt Produkt und Verkaufspreis fest und erhält je Verkauf eine Royalty. Vorabkosten für Lagerware oder Druck entstehen nicht.

In der Praxis läuft es in fünf Schritten ab.

  1. Bewerbung für das Programm einreichen und Freischaltung abwarten.
  2. Design erstellen und hochladen, Produkttyp wählen.
  3. Titel, Beschreibung und Verkaufspreis festlegen.
  4. Amazon schaltet das Listing nach Prüfung frei.
  5. Bei einer Bestellung druckt und versendet Amazon, der Teilnehmer erhält die Royalty.

Formal ist Amazon gegenüber dem Endkunden der Verkäufer. Der Teilnehmer erhält Lizenzvergütungen. Das hat steuerliche Folgen, die weiter unten behandelt werden.

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Bewerbung, Wartezeit und Tier-System

Der Zugang erfolgt über Antrag oder Einladung. Branchenberichte nennen Wartezeiten und Ablehnungen, die Angaben schwanken stark: genannt werden „2–8 Wochen“ und „6 von 10 abgelehnt“. Eine von Amazon veröffentlichte Quote gibt es nicht. Zu erneuten Bewerbungen nach einer Absage liegen keine belastbaren Angaben vor.

Neue Konten starten mit 10 Design-Slots. Der Aufstieg in die nächste Stufe erfolgt laut MerchJar und The Selling Guys, wenn die Zahl der Verkäufe dem Stufenlimit entspricht und der Kontostatus in Ordnung ist.

StufeDesign-SlotsAufstieg bei
11010 Verkäufe
22525 Verkäufe
3100100 Verkäufe
4500500 Verkäufe
51.0001.000 Verkäufe
62.0002.000 Verkäufe
74.0004.000 Verkäufe
88.000(höchste Stufe)

Die Tabelle folgt der Regel „Verkäufe in Höhe der Stufe“, wie sie Branchenberichte beschreiben. Wer mit 10 Slots startet, muss also zunächst 10 Verkäufe erreichen, bevor weitere Plätze frei werden. Wenige, gut gewählte Motive sind deshalb im Einstieg wichtiger als Masse.

Royalty: Formel, Beispiele und die Änderung 2026

Nach amzprep ergibt sich die Royalty aus dem Verkaufspreis abzüglich Produktionskosten, Referral Fee von 15 % und Steuern. Die Produktionskosten hängen vom Produkttyp ab, konkrete Werte für Amazon.de nennt Amazon nicht öffentlich.

Seit 1. Juni 2026 gilt laut amzprep und MerchTitans im US-Marktplatz ein dreistufiges Modell mit den Stufen Creator, Plus und Premium. Maßgeblich ist laut den Quellen der Anteil externen Traffics. Bei einem 19,99-$-Shirt zahlt das Creator-Tier 2,44 $. Premium, das ab 35 % externem Traffic und mindestens 10 Verkäufen im Monat erreichbar ist, zahlt rund 5,27 $. Ob die Staffel auch für Amazon.de gilt, ist offen. MerchTitans bezieht sich ausdrücklich auf US-Verkäufe.

ModellRoyalty je Shirtbei 30 Verkäufen/Monat
Creator (US, 19,99 $)2,44 $ca. 73 $
Premium (US, 19,99 $)5,27 $ca. 158 $
Beispiel gruender-vision.de (19,99 €)5,09 €ca. 153 €

Rechenweg: 30 × 2,44 $ ≈ 73 $, 30 × 5,27 $ ≈ 158 $. Das Beispiel von gruender-vision.de rechnet 19,99 € minus „ca. 14,90 € Amazon-Kosten“ und kommt auf 5,09 €, nennt aber weder Produkttyp noch Tier noch Quelle. Es passt nicht zur neuen Creator-Staffel und taugt nicht als Planungsgrundlage. Laut den US-Berichten liegt die Royalty ohne nennenswerten externen Traffic im Creator-Tier. Die $-Werte stammen aus dem US-Markt, der €-Wert aus einem Beispiel ohne Quellenangabe; beide sind nicht direkt vergleichbar.

Kosten und Risiken: Marken- und Urheberrecht, Kontosperre

Zugang und Betrieb kosten laut Programmseite keine Vorabgebühr. Der Aussage „kein Startkapital nötig“ auf gruender-vision.de fehlt allerdings der Zusammenhang: Für Gewerbeanmeldung, Steuerberatung, Designsoftware oder Auftragsdesigner und gegebenenfalls Haftpflichtschutz fallen Kosten an, deren Höhe vom Einzelfall abhängt.

Die Risiken liegen vor allem in vier Bereichen.

  • Markenrecht: Motive mit geschützten Begriffen, Logos oder Figuren führen zu Abmahnungen. Eine Markenrecherche vor dem Upload ist deshalb ratsam. Auf gruender-vision.de findet sich zu Risiken nur ein Hinweis auf Abmahnungen bei Markenverstößen.
  • Kontostatus: Der Aufstieg in die nächste Stufe setzt einen guten Kontostatus voraus.
  • Löschung ohne Verkauf: Nach Angaben einer Branchenquelle werden Listings ohne Verkauf nach 18 Monaten automatisch gelöscht (US-Marktplatz). Die Behauptung „einmal hochgeladen, dauerhaft Einnahmen“ stimmt damit nicht ohne Einschränkung.
  • Plattformabhängigkeit: Royalty-Modell und Konditionen kann Amazon ändern, wie die Umstellung im Juni 2026 zeigt.

Gewerbe und Steuern: Kleinunternehmerregelung, Reverse Charge, Umsatzsteuer

Eine feste Verdienstgrenze, bis zu der Verkäufe ohne Anmeldung zulässig wären, gibt es in Deutschland nicht; die 25.000-€-Grenze betrifft nur die Umsatzsteuer, nicht die Frage nach Gewerbe oder Anzeige beim Finanzamt. Wer nachhaltig mit Einnahmeerzielungsabsicht handelt, ist umsatzsteuerlich Unternehmer (§ 2 UStG). Ob die Tätigkeit als Gewerbe oder als freiberufliche Designtätigkeit einzuordnen ist, hängt vom Einzelfall ab und ist eine Frage an Finanzamt oder Steuerberater. Das entspricht der Einschätzung von Steuerberatern; eine amtliche Aussage speziell zu Merch on Demand gibt es nicht.

Die Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG) befreit von der Erhebung der Umsatzsteuer, nicht von der Pflicht, die Tätigkeit beim Finanzamt anzuzeigen. Seit 1. Januar 2025 gilt sie bei höchstens 25.000 € Vorjahresumsatz und höchstens 100.000 € im laufenden Jahr (netto). Bis 2024 lagen die Grenzen bei 22.000 € und 50.000 €, diese veralteten Werte tauchen auf älteren POD-Seiten weiterhin auf. Wird die 100.000-€-Grenze im laufenden Jahr überschritten, endet die Kleinunternehmereigenschaft ab dem überschreitenden Umsatz. Kleinunternehmer haben keinen Vorsteuerabzug.

Rechenbeispiel: 25.000 € geteilt durch 12 ergeben rund 2.083 € Royalty im Monat. Bei 3,00 € je Shirt entspricht das etwa 694 Verkäufen im Monat, bei 5,00 € etwa 417 Verkäufen. Läge die Royalty bei Amazon.de ebenfalls im Bereich von 2,44 $ je Shirt (nicht bestätigt), würde die Grenze entsprechend später erreicht.

Bei Umsatzsteuer und Abrechnung werden laut Steuerberatern Gutschriften bzw. Rechnungen an Amazon im Reverse-Charge-Verfahren nach § 13b UStG ausgestellt, die Auszahlung erfolgt netto. Die Abrechnung sollte deshalb vorab mit dem Steuerberater besprochen werden.

Als grobe Orientierung dient diese Prüfreihenfolge.

  1. Besteht Gewinnerzielungsabsicht und ist die Tätigkeit auf Dauer angelegt? Dann liegt unternehmerische Tätigkeit nahe.
  2. Überwiegt die eigene kreative Gestaltung? Dann kann eine freiberufliche Einordnung in Betracht kommen, über die das Finanzamt entscheidet.
  3. Ist das Gewerbe angemeldet? Dann folgt die Anzeige beim Finanzamt, einschließlich der Entscheidung über die Kleinunternehmerregelung.

Lohnt es sich für Unternehmen? Merch als Markenerweiterung

Für Betriebe mit eigener Marke ist Merch on Demand eine Möglichkeit, Textilien mit Logo oder Claim anzubieten, ohne Lagerbestand und Fulfillment aufzubauen. Als Ersatz für klassische Werbeartikel und Werbegeschenke taugt es nur bedingt: Dort wird die Ware vorab bestellt und gezielt verteilt, hier kauft der Endkunde auf Amazon. Wer Mitarbeiter, Kunden oder Veranstaltungsteilnehmer mit Textilien ausstatten will, fährt mit einem klassischen Werbemittelhändler meist planbarer.

KriteriumMerch on DemandEigener Shop
Startkostenkeine VorabgebührShop, Druckpartner, Setup
Marge je StückRoyalty ab 2,44 $ (US, Creator)nach Einkauf und Preis frei
Kundendatenbei Amazonbeim Betrieb
ReichweiteAmazon-Suchemuss selbst aufgebaut werden
AbhängigkeitKonditionen setzt Amazongering
ZugangBewerbung, Slots begrenztsofort

Die Gegenüberstellung folgt aus den Programmmerkmalen, nicht aus einer Erhebung. Wer eine Marke aufbaut und Kundendaten nutzen will, fährt mit dem eigenen Shop besser. Wer Reichweite testen und mit minimalem Kapital Motive prüfen will, kann Merch on Demand als Experiment einsetzen. Die Markenrechte am eigenen Logo sollten vorab geklärt sein.

Ein eigener Merch-Shop besteht im Kern aus drei Bausteinen: einem Shopsystem für Bestellung und Zahlung, einem Druckpartner, der auf Bestellung produziert und versendet, und eigenen Motiven. Die Anmeldung beim Finanzamt und die steuerliche Einordnung gelten hier ebenso wie bei Merch on Demand.

Alternativen zu Merch on Demand

Als Alternative gelten andere Print-on-Demand-Anbieter, bei denen Produkte ohne Vorabzahlung gedruckt und versendet werden, und eigene Shops mit Druckpartner. Printify bietet ein vergleichbares Print-on-Demand-Angebot und beschreibt Merch on Demand in einem eigenen Beitrag; als Anbieter in diesem Markt hat Printify ein eigenes Interesse, die dortigen Angaben zu Wartezeit und Ablehnung sind daher mit Vorsicht zu lesen. Preise und Konditionen der Alternativen sollten direkt beim Anbieter geprüft werden.

Die Bewertung des Programms fällt widersprüchlich aus: gruender-vision.de nennt es einen „idealen Startpunkt“, nomad-publishing.de laut Titel ein nicht mehr geeignetes Geschäftsmodell. Beide Positionen sind pauschal. Entscheidend ist, wie viel Marge nach Royalty-Modell und Steuer bleibt.

Häufige Fehler

  • Verdienstbeispiele ohne Quelle als Planwert übernehmen, etwa die „rund 5,00 €“ je Shirt.
  • Kleinunternehmergrenzen von 22.000 € und 50.000 € verwenden, obwohl seit 2025 25.000 € und 100.000 € gelten.
  • Mit „kein Gewerbe nötig“ rechnen, obwohl eine unternehmerische Tätigkeit ab dem ersten Verkauf zu prüfen ist.
  • Motive ohne Markenrecherche hochladen.
  • US-Royalty-Werte unbesehen auf Amazon.de übertragen.

Fazit

Merch on Demand eignet sich als kostengünstiger Test für Motive und Marken, nicht als verlässliche Einkommensquelle. Wer einsteigt, sollte mit 10 Slots, Bewerbungsrisiko und einer Royalty rechnen, die im US-Creator-Tier bei 2,44 $ je Shirt liegt und für Amazon.de unbestätigt ist. Vor dem ersten Verkauf empfiehlt sich ein Gespräch mit dem Steuerberater über Gewerbe, Umsatzsteuer und Reverse Charge. Betriebe mit eigener Marke prüfen zusätzlich einen eigenen Shop, weil dort Kundendaten und Marge beim Unternehmen bleiben.

Quellen

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